AK-TIPPS, UM DIE FUSSABDRÜCKE IM NETZ MÖGLICHST KLEIN ZU HALTEN

Beim Semmerl kaufen in der Bäckerei Geburtsdatum, Familienstand oder Adresse angeben müssen - da würden wohl viele kopfschüttelnd den Laden gleich wieder verlassen. Aber online sind wir da oft wesentlich unkritischer und geben massenweise persönliche Daten preis. Aktuell: Die Fahrpläne der Öffis in Salzburg sollen künftig anhand von GPS-Daten unserer Handys konzipiert werden. Deshalb appelliert die AK im Rahmen ihres aktuellen Digitalisierungsschwerpunkts an die Beschäftigten zur Vorsicht. AK-Präsident Peter Eder: „Wer persönliche Daten preisgeben will, um bestimmte Online-Dienste oder –angebote zu nutzen, sollte sich zumindest vorher vergewissern, dass der Empfänger seriös arbeitet, indem etwa die Datenschutzbestimmungen eingehalten werden.“ Die AK-Konsumentenschützer haben nützliche Tipps zur Datensparsamkeit, um die Fußspuren im Netz möglichst gering zu halten.       

 

Konsumentinnen und Konsumenten bezahlen immer öfter für die Nutzung von Online-Angeboten mit ihren Daten. „Welche Gewinne mit dem Sammeln, Verknüpfen, Nutzen und Verkaufen personenbezogener Daten gemacht wird, zeigt sich darin, dass die 5 teuersten Unternehmen der Welt alle auf digitale Geschäftsmodelle setzen“, gibt AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Eder zu bedenken. Das „Geschäft mit den Daten“ macht vor niemandem Halt – ob gewollt oder nicht: So sollen die Öffi-Fahrpläne in Salzburg in Zukunft anhand von GPS-Daten von den Handys, bzw. Navigationsgeräten der Salzburgerinnen und Salzburger gelenkt werden.

Persönliche Daten herausgeben, um Geld zu sparen oder Geld ausgeben, um seine Privatsphäre zu schützen, ist also keine düstere Zukunftsutopie, sondern ein bereits bestehendes, rechtskonformes Geschäftsmodell. Das zeigt auch ein Bescheid der österreichischen Datenschutzbehörde.  

 

BEZAHLEN MIT DATEN ALS FREIWILLIGE ALTERNATIVE

 

Anlassfall war der Zugang, bzw. das Nutzen einer Homepage. Userinnen und User wurden beim ersten Besuch dieser Webseite vor die Wahl gestellt:

·      entweder der Nutzung von Cookies für die Zwecke der Webanalyse und digitaler Werbemaßnahmen, also der Verwendung seiner personenbezogenen Daten zu werblichen Zwecken, zustimmen, oder

·      alternativ ein relativ günstiges, aber kostenpflichtiges Abonnement abzuschließen. In diesem Fall ist es möglich, die Website zu besuchen, ohne dass Cookies verwendet werden und Werbung angezeigt wird.

 

„Ohne Erteilung der Einwilligung oder der Zahlung des Betrages, ist die Website nicht aufrufbar“, fasst AK-Konsumentenschützerin Claudia Bohl zusammen.

Dass solche Geschäftspraktiken legal sind, zeigt die Bewertung dieses Falles durch die österreichische Datenschutzbehörde. Bohl: „Hier bewertete die österreichische Datenschutzbehörde die Freiwilligkeit der Einwilligung als gegeben an, da die Userinnen und User mit dem kostenpflichtigen Abo unter anderem eine „echte Alternative“ zur Verarbeitung Ihrer Daten haben.“

Was sonst noch alles erfüllt sein muss, damit eine gültige Einwilligung im Sinne der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) vorliegt:

·      freiwillig

·      für den bestimmten Fall

·      in informierter Weise

·      unmissverständlich abgegebene Willensbekundung

·      klar und einfach geschrieben

·      deutlich vom Rest des Textes abgehoben sein

·      Information über jederzeit möglichen Widerruf

·      Koppelungsverbot

 

AK-Präsident Eder: „Nur eines von vielen Beispielen das zeigt, wir der digitale Wandel immer mehr Besitz von unserem täglichen Leben ergreift. Umso notwendiger ist es nicht nur für die gesamte Gesellschaft, sondern auch für den Einzelnen, Chancen und Risiken dieser Entwicklung im Auge zu behalten. Das wollen wir zum Thema machen.“

AK-TIPPS ZUR DATENSPARSAMKEIT

„Auch wenn die langfristigen Auswirkungen und Problematiken von Erfassung, Auswertung und Nutzung der unzähligen Daten-Milliarden weltweit jetzt noch nicht absehbar sind, kann es nicht schaden, sorgsam mit seine persönlichen Angaben umzugehen“, so AK-Expertin Claudia Bohl. Deshalb hat die Konsumentenschützerin einige Tipps zur Datensparsamkeit parat.

 

SO WENIG DATEN WIE MÖGLICH BEKANNT GEBEN

Grundsätzlich sollte man so wenig Daten wie möglich preisgeben, sei es in den Sozialen Medien, bei Online-Gewinnspielen, auf Homepages, bei Apps etc.

Beispiel: „Reale Welt vs. digitale Welt“ – Wenn wir z.B. beim Bäcker bei einem Kauf von Brot nach unserem Namen, Adresse, Geburtsdatum, Familienstand etc. gefragt werden, würde sich der Großteil von uns  verwundert umdrehen und kopfschüttelnd den Laden verlassen. Online sind wir da wesentlich unkritischer und geben massenweise unsere Daten bekannt.

 

ONLINE-VERHALTEN IN SOZIALEN MEDIEN HINTERFRAGEN

Überprüfen, ob das eigene Profil Angaben oder Fotos enthält, die man eigentlich nicht öffentlich zur Verfügung stellen will. Denn: Alle Inhalte, die man ins Internet stellt, sind grundsätzlich leicht zugänglich und oft auch über Suchmaschinen einfach zu finden.

 

PROFIL EINSCHRÄNKEN

Die AK empfiehlt, sich die Privatsphäre-Einstellungen in sozialen Netzwerken & Co genau anzuschauen und soweit einzustellen, dass nur ausgewählte Personen (z. B. „Freunde“) die persönlichen Daten einsehen können.

 

APP-FASTEN

Dabei geht es um die bewusste Vermeidung von bestimmten Angeboten und Diensten, also Applikationen. Oftmals lädt mann/frau sich ohne lange nachzudenken eine neue App herunter, weil man sie ausprobieren möchte oder weil Freunde diese empfohlen haben. Man sollte sich jedoch fragen, ob man diese App auch wirklich braucht und nutzen möchte oder ob man nicht auch ganz gut ohne sie auskommt. Achtung: Viele „gehypte“ Apps beinhalten oft massive Datenschutzlücken (Beispiel FaceApp: eine Applikation aus Russland, die im Hintergrund auf persönliche Daten zugreift)

 

DATENSCHUTZEINSTELLUNGEN BEI BROWSERN AKTUELL HALTEN 

Mithilfe von Cookies können Unternehmen das Surfverhalten von Konsumentinnen und Konsumenten theoretisch über Jahre verfolgen, die gesammelten Informationen zusammenfügen und so ein umfassendes Profil erstellen. Diese Informationen können Unternehmen dann etwa zu Werbezwecken professionell vermarkten. Man spricht hier von sogenanntem "Profiling". Daher rät die AK dazu, regelmäßig Cookies zu löschen, bzw. in den Browsereinstellungen die Cookie-Einstellungen entsprechend zu verwalten.

 

ANONYMEN MODUS NUTZEN

Einige Browser bieten auch die Option, im anonymen Modus – auch "Inkognito-Modus" genannt – zu surfen. Will man im Internet möglichst wenig Spuren hinterlassen, ist diese Einstellung empfehlenswert.

 

PASSWÖRTER SO SICHER WIE MÖGLICH MACHEN

Wichtig ist, seine Passwörter ausreichend lange zu gestalten, eventuell mit Fantasiewörtern und Ziffern und Sonderzeichen versetzt. Zusätzlich sollte man die Passwörter regelmäßig ändern. 

 

SMARTPHONE UND DATENSCHUTZ

Auch am Handy kann man einiges tun, um so wenig Daten wie möglich zu liefern, z.B.:

·      Regelmäßige Updates durchführen

·      Apps genau auf deren Privatsphäre-Einstellungen überprüfen und gegebenenfalls die Zugriffsmöglichkeiten einschränken

·      GPS nur dann aktivieren, wenn man es tatsächlich benötigt