Berta Huber erzählt von ihrer Erfahrung als Lebens- Sterbe- und Trauerbegleiterin

Obwohl Tod, Verlust und die eigene Vergänglichkeit zum Leben gehören, ist dies nach wie vor ein 

Tabuthema. Die natürliche Reaktion des Menschen auf einen Verlust ist die Trauer. Von heute auf morgen stürzt plötzlich alles in sich zusammen und nichts ist mehr, wie es war. Es dauert mitunter sehr lange, bis man gelernt hat mit diesen veränderten Lebensbedingungen klarzukommen. Die Bürmooserin Berta Huber hat ihr Leben der Hospiz- und Trauerbegleitung gewidmet.

 

Auslöser für die Entscheidung, Trauerbegleiterin zu werden, war der lange Leidensweg eines Freundes vor 10 Jahren. Damals entschloss sie sich eine Ausbildung zur Hospizbegleiterin zu absolvieren. 

Die moderne Hospizbewegung greift die Idee der mittelalterlichen Hospize wieder auf.  Im Mittelpunkt stehen neben den persönlichen Wünschen, die körperlichen, sozialen, psychischen und spirituellen Bedürfnisse der Schwerkranken und ihrer Angehörigen. 

Der Fokus des Lehrgangs liegt darum nicht darauf, „Verhaltenstipps“ zu geben, sondern setzt immer wieder an den Erfahrungen und dem Erleben der TeilnehmerInnen an. Die Seminare bieten intensive Auseinandersetzung mit den Themen Sterben, Tod, Verlust und Trauer. 

Erreicht wird dies durch ausführliche Informationen, Erfahrungsaustausch, Übungen und behutsam geführte Selbsterfahrung. Berta Huber war schon immer fasziniert von Cicely Saunders, der Begründerin der Hospizbewegung. Diese stellte ihr Leben Ende der 1940er– inspiriert durch die Begegnung mit einem sterbenden Patienten namens David Tasma – in den Dienst der Hospizbewegung. Ihr Ziel war es den Sterbenden das Ableben so schmerzlos und angenehm wie nur möglich zu gestalten. 

„Hospiz bedeutet aber auch, den Menschen einen Platz zu geben, wo er einfach nur sein kann. Damit ist nicht nur ein Obdach gemeint, sondern eine Art sicherer Hafen, in dem man Essen bekommt, jemanden zum Reden vorfindet und darüber hinaus ein Stück Heimat und Geborgenheit spüren kann. Auch Cicely Sounders hat zu Lebzeiten Menschen bei sich aufgenommen, ihnen einen Ort der Ruhe, der Gespräche, der Sicherheit und der Nächstenliebe geschenkt. Und genau das ist, was mich an dieser Arbeit so erfüllt. Es braucht nicht viel, um Menschen auf ihrer letzten Reise zu begleiten. Manchmal reicht es vollkommen aus, einfach nur da zu sein.“ erklärt Berta Huber ihre Motivation für die Arbeit mit den Todkranken und Trauernden. 

Etwa ein Jahr bis 1,5 Jahre dauert eine Trauerbegleitung. Der Ablauf ist dabei so individuell wie der Mensch selbst. Berta Huber verbringt einfach den Alltag mit ihren Klienten, geht viel mit ihnen spazieren, trinkt und isst mit ihnen, oder hört einfach nur zu. Leider ist es auch schon einmal passiert, dass ich dem Wunsch eines Klienten, bei seinem Sterben dabei zu sein, nicht erfüllen konnte. Ich saß gerade im Flieger und war nicht erreichbar. „Das Wichtigste in so einem Fall ist, dass man immer eine gewisse Distanz wahrt. Zum Glück sind wir bei der Ausbildung sehr gut darauf vorbereitet worden. Trotzdem habe ich natürlich auch meine Rituale, um mich zu verabschieden. So zündete ich in diesem einen besagten Fall eine Kerze für den Verstorbenen an und ließ unsere gemeinsame Zeit Revue passieren. Das war sehr befreiend für mich.“ so Berta Huber.

Darauf angesprochen wie sie selbst mit Trauer und Verlust umgeht antwortet sie: „Mir hilft es immer ungemein, mein eigenes Leben zu reflektieren und aufzuarbeiten. Zudem ist der Rückhalt der Familie unerlässlich sowie ein Partner und Freunde, die für mich da sind, mich verstehen und mich einfach mal in den Arm nehmen.“

Trotz der vielen traurigen Momente, die ihr im Arbeitsalltag immer wieder begegnen, möchte Berta Huber ihre Berufung auf keinen Fall missen. „Man bekommt einfach so viel zurück. Einmal sagte die Familie eines verstorbenen Klienten, ich hätte den Frieden ins Haus gebracht. Solche Situationen sind es, die diesen Beruf so wertvoll für mich machen,“ meint Berta Huber mit einem Lächeln und fügt abschließend hinzu: „Ich fühle mich bei meiner Arbeit mit dem Allgöttlichen verbunden und es ist eine Gnade Menschen, mit einer lebensbedrohlichen Krankheit begleiten zu dürfen. Und beim Sterben eines Menschen, fühlte ich immer ... als ob die Raupe jetzt zum Schmetterling würde und in eine neue Welt fliegt und die Gewissheit, dass wir nach dem Tod alle gleich sind, hat etwas Tröstendes für mich.“  

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