Nussdorf: Erbhof Reichl investiert in einen zukunftsweisenden Laufstall

Seit einem Monat sind die Heumilchkühe artgerecht im neuen Laufstall des Klein-Olchinger Erbhofes von Johann Reichl an der Nußdorfer Landesstraße untergebracht. Die gute Heumilch kommt  zur Weiterverarbeitung zum Salzburger Milchhof.  Foto: BZ/Fürst

 

Der Klein-Olchinger Erbhof der Familie Reichl in Nußdorf am Haunsberg ist ein weiteres Beispiel dafür, dass durch den Neubau eines 20 x 45 Meter großen Laufstalles mit Auslauf, die Milchwirtschaft im Arbeitsablauf deutlich erleichtert werden kann.

Da die dauernde Anbindehaltung bei Rindern in Österreich ohnehin ab 2020 verboten sein wird, hat der heute 30-jährige Johann Reichl nicht lange überlegt und den nicht mehr zeitgemäßen Stall durch einen modernen Laufstall ersetzt. Den Erbhof, den er vor über zwei Jahren übernommen hatte, aufzugeben, kam für den Landwirt hingegen zu keinem Zeitpunkt infrage.

Nun können alle Kühe und Kälber EU- und artgerecht untergebracht werden. Zu diesem Zweck wurde ein komplett neuer Stallkomplex  von der Landwirtschaftskammer nach Vorgaben des Bauern geplant. Den alten Stall umzubauen, rentierte sich nicht mehr. Gebaut und ausgestattet wurde der Stall von heimischen Firmen. Gut ein Jahr zuvor hatte man mit der Planung und Realisierung der neuen Haltungsform, die auch bio-konform ist, begonnen. 

Dies war auch die einzige Option, da neben dem  Hof keine Weideflächen sind. Weil dieser zudem direkt an der Nußdorfer Landesstraße liegt, ist es nicht möglich, die vielbefahrene Straße mit einer Herde Kühe zu überqueren. 

Die Haltung im Laufstall entspricht am besten den arteigenen Bedürfnissen der Rinder. So werden die Bewegungsfreiheit und die Gesundheit der Tiere optimal gefördert. Erstmals wird eine Trennung zwischen Fress-, Liege-, Lauf- und Melkplätzen gewährleistet.

Dadurch kann das natürliche Sozialverhalten des Herdentiers „Rind“ erst ermöglicht werden.

An kühlen Tagen oder zur Beschattung können Jalousien heruntergelassen werden. Die moderne und effizente Stallbeleuchtung  trägt ebenfalls zur Verbesserung des Milchertrages bei.

 

Moderner Melkroboter von Graf-Melktechnik sorgt für effizientes Arbeiten

Insgesamt leben rund 80 Kühe und Kälber auf dem Bauernhof. Beim Laufstall von Johann Reichl werden die Tiere ausschließlich mit frischem Gras von den eigenen Feldern gefüttert. Im Winter wird zur Fütterung Heu aus eigener Produktion verwendet.

 

Größere Präzision und höhere Leistung

Jedes der zurzeit 43 milchgebenden Rinder trägt ein Halsband mit Sensor. Begibt sich eine Kuh in den Melkautomat, angelockt durch das Kraftfutter, wird sie von hinten gemolken. Das komplett hydraulisch angetriebene System ist auf die individuellen  Melk-Bedürfnisse der Kühe eingestellt. Durch die hohe Leistung des Vakuumsystems des Roboters ist ein effizienteres  Melken möglich.

Derzeit befindet sich der luftige und helle Laufstall mit dem Melkautomat noch in der Umstellungsphase. Künftig kann der Melkautomat durchgehend 23 Stunden melken. Die Melkanlage garantiert einen sauberen, qualitätssicheren und schnellen Melkvorgang. 

BouMatic Robotics ist bekannt für seinen unkonventionellen Ansatz zum Robotermelken. Die nun neuen Einzel- und Doppelbox-Melkroboter MR-S2 und MR-D2 am Markt punkten durch bessere Überwachung der Melkparameter.  

Dieser kann zwei Melkbecher gleichzeitig greifen und ist darüber hinaus mit einer wasserdichten 3D-Edelstahlkamera sowie einem Milchüberwachungsgerät ausgestattet. Eine der beliebtesten Funktionen des innovativen Melksystems ist wohl der Zitzenprogrammierungs-Bildschirm. Die Kamera bringt das Bild des Euters auf den Bildschirm. 

Der Bediener kann durch einfaches Berühren der Zitzenkuppen auf dem Bild die Kamera darauf programmieren, dass sie die Zitzen einer bestimmten Kuh immer wieder findet. Wenn diese Kuh später wieder in die Box kommt, erinnert sich der Roboter an die Platzierung ihrer Zitzen. Dadurch wird das Ansetzverfahren wesentlich effizienter. 

Nach dem Melken wird die Melkanlage einmal komplett gereinigt. Eine Stunde pro Tag wird außerdem für den großen Reinigungsprozess benötigt. 

Mehr Infos zu der Innovation finden Sie auf www.graf-melktechnik.at

 

Milch-Qualität, die man schmeckt

Die Reinigung des Stalles wird noch per Hand erledigt. Unterhalb des Laufstalls befindet sich ein 1.000 m3 Gülle-Kanal. Der tritt- und rutschfeste Beton-Spaltenboden stellt sicher, dass die Ausscheidungen der Rinder in den Gülle-Kanal gelangen, was eine sachgemäße und hygienische Entsorgung bewerkstelligt. Zur Energiegewinnung gibt es keine Photovoltaikanlage. Dazu ist bedingt durch die Waldnähe zu wenig Licht vorhanden.

Johann Reichl ist nicht nur Vollzeitlandwirt, sondern bewirtschaftet auch noch rund sechs Hektar Wald. 

Zum Glück kann er auf die tatkräftige Unterstützung seiner Eltern zählen, die bei der Hofbewirtschaftung kräftig mitanpacken. Die Qualitäts-Heumilch des Familienbetriebes wird im Salzburger Milchhof weiterverarbeitet.